Der russische Obstmarkt trägt Früchte – vor allem der Apfelanbau ist in Russland weit verbreitet. Mit diesem Kernobst will sich das Land künftig vollkommen selbst versorgen. Eine Vielzahl von Früchten kommt aber traditionell aus dem Ausland.
Nach Einschätzung von Rosselkhozbank, dem Geldhaus zur Unterstützung russischer Landwirte, belief sich das Volumen des Obst- und Gemüsemarktes in Russland im vergangenen Jahr auf 2 Bio. Rubel, umgerechnet 22 Mrd. Euro. Die Russen essen inzwischen deutlich mehr Obst. 2024 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 67 Kilogramm, ein Kilo mehr als im Vorjahr und ein starker Anstieg von sieben Kilo gegenüber 2022. Dennoch liegt der Obstverzehr weiter deutlich unter dem Ernährungsstandard von 100 Kilogramm pro Kopf jährlich, den das russische Gesundheitsministerium vorgibt. Die Deutschen liegen beim Obstessen mit den Russen gleichauf, wie aus einer Statistik des Bundesministeriums für Landwirtschaft hervorgeht.
Obstpreise steigen
Im Zeitraum Mai 2024 bis April 2025 waren besonders Weintrauben gefragt. Nach Angaben des Marktforschers Nielsen stieg ihre Verkaufsmenge im Einzelhandel um 30%, was die höchste Wachstumsrate unter Früchten bedeutete. Diesen Trend erklären Experten mit einem Preisrückgang. Ende Mai 2025 kostete ein Kilogramm Weintrauben im Schnitt 407 Rubel (4,5 Euro) und damit 11,4% weniger als ein Jahr zuvor. Die gestiegenen Importe aus China, Ägypten und Indien hätten das Marktangebot vergrößert, so die Marktforscher.
Insgesamt sind die Ausgaben der Russen für Obst um ein Viertel gestiegen. Im Zeitraum Januar bis April zahlten die Verbraucher 306 Rubel, 3,40 Euro, für Obst und Beeren – eine Teuerung von 26% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie Zahlen des Steuerdatenbetreibers Platforma OFD belegen. Ein Kilogramm Pfirsiche kostete 485 Rubel, 5,30 Euro, ein Anstieg von 13% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Preis für ein Kilo Erdbeeren betrug 658 Rubel, 7,20 Euro (+55%), ein Kilo Äpfel kostete 186 Rubel, 2 Euro (+17%), ein Kilo Kirschen stieg um 14% auf 691 Rubel, 7,60 Euro. Für ein Kilogramm Orangen zahlten Obstfreunde 186 Rubel, 2 Euro (13%), für ein Kilogramm Zitronen – 302 Rubel,3,30 Euro (+12%). Bananen kosteten 198 Rubel pro Kilo, 2,20 Euro (+6%).
Äpfel aus eigenem Anbau
75% des in Russland angebauten Obstes entfallen auf Äpfel, gefolgt von Pflaumen (11%) und Süßkirschen (6%). Bis 2028 peilt das Land eine hundertprozentige Versorgung der Bevölkerung mit Äpfeln aus eigenem Anbau an. Um den Gesamtbedarf zu decken, müssten 2,5 Mio. Tonnen Äpfel pro Jahr produziert werden, erklärte die russische Wirtschaftsministerin Oksana Lut im Mai beim Besuch eines Landwirtschaftsbetriebs des Agrarunternehmens Kasatschy Chutor in Südrussland.
Egal, ob süß oder sauer – die Russen beißen gerne in den Apfel. Laut der Wirtschaftsministerin bleiben jedoch die beliebtesten einheimischen Apfelsorten Antonowka und Schiguljowskoje weiter im Schatten der Konkurrenz. Verbraucher greifen öfter nach den aus den USA stammenden Sorten Golden Delicious und Red Delicious sowie dem australischen Kulturapfel Granny Smith.
Russlands Schwarzerde
Die weitläufigen Schwarzerdegebiete zwischen Kursk und Krasnodar bilden den Nährboden für die russische Agrarwirtschaft. Von 2013 bis 2023 ist der Ertrag der im südlichen Kuban-Gebiet liegenden Regionen, darunter Krasnodar und Stawropol im Nordkaukasus, um 76% gestiegen – von 286.000 auf 503.000 Tonnen. Für den Anbau der Obstkulturen Apfel, Birne und Quitte sind zu 84% große Landwirtschaftsbetriebe zuständig wie etwa der Obstsafthersteller Sady Pridonie, der Obst- und Beerenproduzent Sad Gigant und der Apfelanbauer Kasatschy Chutor.
In diesem Jahr soll die Ernte 2,1 Mio. Tonnen Obst und Beeren einbringen im Vergleich zu 1,9 Mio. Tonnen im Vorjahr. Zu diesem Zweck hat der Staat 7,5 Mrd. Rubel, 82 Mio. Euro, bereitgestellt. Derzeit plagen die Landwirte ein Mangel an Lagerflächen und Saisonarbeitern zur Erntezeit. Schlechte Wetterbedingungen könnten zudem für eine Missernte sorgen. Im Frühling dieses Jahres erfassten zwei Kältewellen den Süden Russlands, bei denen Ackerfrüchte beschädigt wurden. Das russische Landwirtschaftsministerium geht in einigen Fällen von Ernteausfällen in Höhe von 10-15% aus.
Der Traum von der Banane
Russland will künftig tropische Früchte anbauen, einigen Agrarwirten schweben sogar Bananen vor. Als Standort für das Experiment wurde Newinnomyssk in der südlichen Region Stawropol gewählt. Dort entstehen bereits Gewächshäuser, in denen künftig nicht nur Bananen, sondern auch andere Tropenfrüchte wie Avocado oder Mangos kultiviert werden sollen. In einer ersten Etappe sollen 3 Mrd. Rubel (33 Mio. Euro) in das Projekt fließen, teilte im Juni der Gouverneur von Stawropol Wladimir Wladimirow mit.
Dabei soll Technologie zum Einsatz kommen, die bereits in Kasachstan erfolgreich erprobt wurde. Im Nachbarland wird ein Drittel des Bananenbedarfs mit eigenen Früchten gedeckt, die in Gewächshäusern angebaut werden. Mit ersten Bananen aus Newinnomyssk rechnet der Gouverneur im Jahr 2027. Künftig könnte die Produktionsmenge dort auf 1400 Tonnen im Jahr steigen.
Import überwiegt
Bei den meisten Früchten bleibt Russland auf Importe angewiesen. 2024 steigerte Russland seine Obstimporte gegenüber dem Vorjahr von 6 Mio. um 2,4% auf 6,1 Mio. Tonnen. An Bedeutung gewinnen Einfuhren aus sogenannten „freundlichen Ländern“, die gegen Russland keine Sanktionen verhängt haben. Auf diese Länder entfielen 1,7 Mio. Tonnen, ein Anstieg von 10% gegenüber dem Vorjahr.
Laut dem Föderalen Dienst für Veterinär- und Pflanzenschutzüberwachung Rosselkhoznadzor importiert Russland großen Mengen von Zitrusfrüchten. 2024 betrug ihr Umfang 1,9 Mio. Tonnen (+2,6%), davon entfielen 500.000 auf Ägypten, das seinen Export um 62% steigern konnte. Größter Lieferant von Bananen bleibt Ecuador mit einem Marktanteil von 93%. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 1,4 Mio. Tonnen Bananen eingeführt. Die Einfuhr von Pfirsichen, Kirschen und Pflaumen stieg um 3,9% auf 722.600 Tonnen. Diese kamen zu 30% aus der Türkei und zu 25% aus Usbekistan.
Für die Türkei ist Russland der größte Abnehmer von Obst und Gemüse. Das Land exportierte 2024 Obst und Gemüse im Wert von 872 Mio. Dollar nach Russland. Mit großem Abstand folgen Deutschland (354 Mio. Dollar) und Rumänien (289 Mio. Dollar). Der Import von Äpfeln und Birnen belief sich auf 627.400 Tonnen mit Aserbaidschan als größtem Lieferanten (15%). Usbekistan verkaufte die meisten Weintrauben nach Russland – von insgesamt 424.000 stammen 178.000 Tonnen aus dem zentralasiatischen Nachbarland.