- Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan: Säulen des russischen Arbeitsmarkts
- Neue Herkunftsländer: Inder, Chinesen und Nordkoreaner
- Bau, Logistik, Reinigung: Wo ohne Migranten nichts läuft
- Zentrale Register, neue Gebühren, weniger Rechte
- Rubel in die Heimat: Milliardenüberweisungen nach Zentralasien
- Millionen fehlende Arbeiter: Warum Russland Migranten braucht
- Arbeitsmigration 2.0: Von der Schaufel zur Software
Nach Angaben des russischen Innenministeriums hielten sich Ende 2024 mehr als 6,5 Mio. ausländische Staatsbürger im Land auf – so viele wie seit 2019 nicht mehr.
Damit nähert sich Russland wieder dem Vorkrisenniveau von 2019, als 6,8 Mio. Ausländer gezählt wurden. Nach dem pandemiebedingten Einbruch 2020 auf nur 1,1 Mio. und der allmählichen Erholung 2021 mit 2,6 Mio. und 2022 mit 3,5 Mio. setzt sich der Trend fort: Russland bleibt trotz strengerer Gesetzgebung und wachsender gesellschaftlicher Skepsis ein Magnet für Arbeitsmigranten.
Damit nähert sich Russland wieder dem Vorkrisenniveau von 2019, als 6,8 Mio. Ausländer gezählt wurden. Nach dem pandemiebedingten Einbruch 2020 auf nur 1,1 Mio. und der allmählichen Erholung 2021 mit 2,6 Mio. und 2022 mit 3,5 Mio. setzt sich der Trend fort: Russland bleibt trotz strengerer Gesetzgebung und wachsender gesellschaftlicher Skepsis ein Magnet für Arbeitsmigranten.
Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan: Säulen des russischen Arbeitsmarkts
Die Arbeitsmigration aus Zentralasien bleibt die wichtigste Stütze des russischen Arbeitsmarkts. Rund die Hälfte aller ausländischen Arbeitskräfte in Russland stammt aus nur drei Ländern: Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan. Usbekistan stellt mit rund 1,45 Mio. Beschäftigten die mit Abstand größte Gruppe, gefolgt von Tadschikistan mit 987.000 und Kirgisistan mit 563.000.
„Wenn man die Löhne vergleicht, wird schnell klar, warum so viele aus diesen Ländern nach Russland kommen“, sagt Michael Germershausen, Managing Director für Zentralasien der Personalberatung Antal im Podcast „Zaren. Daten. Fakten“ der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. „Ein Kurier verdient in Taschkent etwa 500 bis 1000 Dollar im Monat, in Russland aber 1000 bis 1500 – also rund das Doppelte.“
In Usbekistan leben derzeit rund 36 Mio. Menschen, das Land wächst jährlich um über eine Million – schneller, als neue Arbeitsplätze entstehen. In Tadschikistan und Kirgisistan liegt der Anteil der Überweisungen aus Russland bei mehr als 25% des BIP. Migration wirkt so als sozioökonomisches Ventil für diese Länder: Sie reduziert die Arbeitslosigkeit und bringt dringend benötigte Devisen in die Herkunftsländer.
„Die Top-Drei-Länder bei den Geldüberweisungen sind seit Jahren dieselben – Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan“, betont Germershausen. „Trotz aller Versuche, die Arbeitsmigration zu diversifizieren, bleibt Russland der mit Abstand wichtigste Partner.“
Russland ist für viele zentralasiatische Arbeitnehmer nach wie vor das attraktivste Ziel – geografisch nah, sprachlich vertraut und mit deutlich höheren Löhnen als in der Heimat.
In Usbekistan leben derzeit rund 36 Mio. Menschen, das Land wächst jährlich um über eine Million – schneller, als neue Arbeitsplätze entstehen. In Tadschikistan und Kirgisistan liegt der Anteil der Überweisungen aus Russland bei mehr als 25% des BIP. Migration wirkt so als sozioökonomisches Ventil für diese Länder: Sie reduziert die Arbeitslosigkeit und bringt dringend benötigte Devisen in die Herkunftsländer.
„Die Top-Drei-Länder bei den Geldüberweisungen sind seit Jahren dieselben – Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan“, betont Germershausen. „Trotz aller Versuche, die Arbeitsmigration zu diversifizieren, bleibt Russland der mit Abstand wichtigste Partner.“
Russland ist für viele zentralasiatische Arbeitnehmer nach wie vor das attraktivste Ziel – geografisch nah, sprachlich vertraut und mit deutlich höheren Löhnen als in der Heimat.
Neue Herkunftsländer: Inder, Chinesen und Nordkoreaner
Neben der dominanten Gruppe aus Zentralasien treten zunehmend Arbeitskräfte aus Indien, China und Nordkorea auf den Plan. Diese Entwicklung ist sowohl Ausdruck des anhaltenden Fachkräftemangels als auch das Resultat gezielter Regierungsinitiativen, neue Herkunftsländer zu erschließen.
Nach offiziellen Angaben waren Mitte 2025 rund 110.000 Inder in Russland registriert – zehnmal so viele wie noch 2023. Viele arbeiten in Bau- und Textilbetrieben, zunehmend aber auch in industriellen Bereichen wie Maschinenbau und Elektronik. „Ein ehemaliger Mitarbeiter von mir arbeitet jetzt für eine russische Recruiting-Firma, deren Konzept es ist, Inder nach Moskau zu bringen“, berichtet Germershausen im Podcast-Gespräch. „Das soll künftig jene Arbeitsmigranten ersetzen, die Russland aus Zentralasien verliert.“ Besonders stark ist die Präsenz der Inder in der Industrie-Region Swerdlowsk, wo Großbetriebe der Rüstungs- und Maschinenindustrie – darunter Uralvagonzavod und Uralmash – von Personalmangel betroffen sind. Dort soll bis Ende 2025 ein indisches Konsulat eröffnet werden, um die Betreuung der neuen Arbeitskräfte zu koordinieren.
Nach einem pandemiebedingten Rückgang kehrten 2024 rund 24.000 zusätzliche chinesische Arbeiter nach Russland zurück. Sie sind vor allem im Fernen Osten und vorrangig im Holz-, Agrar- und Handelssektor tätig. Parallel entsenden chinesische Firmen eigene Arbeitskräfte für gemeinsame Infrastruktur- und Energieprojekte.
Am politisch heikelsten ist wegen der UN-Sanktionen die wachsende Zahl nordkoreanischer Arbeiter. Schätzungen zufolge arbeiten inzwischen rund 15.000 Nordkoreaner offiziell in Russland – meist in Bau- und Holzverarbeitungsbetrieben. Trotz UN-Sanktionen wird diese Praxis durch die strategische Partnerschaft zwischen Moskau und Pjöngjang seit 2023 wieder forciert.
Die neuen Gruppen sollen Lücken schließen, die durch Abwanderung zentralasiatischer Arbeitskräfte und den demografischen Druck entstehen.
Damit verschiebt sich das Profil der Migration allmählich von regionaler Nachbarschaft hin zu globaler Anwerbung. Wie stark sich die Arbeitsmigration geographisch diversifiziert, zeigt sich beispielsweise an den Geldüberweisungen nach Usbekistan. 2022 kamen 87% dieser Überweisungen aus Russland, 2023 ging der Anteil auf 78 Prozent zurück. Im ersten Halbjahr 2024 war ein starker Anstieg dieser Geldtransfers nach Usbekistan aus den USA (+34%), Deutschland (+64%), Polen (+93%) und Südkorea (+90%) zu beobachten.
Nach offiziellen Angaben waren Mitte 2025 rund 110.000 Inder in Russland registriert – zehnmal so viele wie noch 2023. Viele arbeiten in Bau- und Textilbetrieben, zunehmend aber auch in industriellen Bereichen wie Maschinenbau und Elektronik. „Ein ehemaliger Mitarbeiter von mir arbeitet jetzt für eine russische Recruiting-Firma, deren Konzept es ist, Inder nach Moskau zu bringen“, berichtet Germershausen im Podcast-Gespräch. „Das soll künftig jene Arbeitsmigranten ersetzen, die Russland aus Zentralasien verliert.“ Besonders stark ist die Präsenz der Inder in der Industrie-Region Swerdlowsk, wo Großbetriebe der Rüstungs- und Maschinenindustrie – darunter Uralvagonzavod und Uralmash – von Personalmangel betroffen sind. Dort soll bis Ende 2025 ein indisches Konsulat eröffnet werden, um die Betreuung der neuen Arbeitskräfte zu koordinieren.
Nach einem pandemiebedingten Rückgang kehrten 2024 rund 24.000 zusätzliche chinesische Arbeiter nach Russland zurück. Sie sind vor allem im Fernen Osten und vorrangig im Holz-, Agrar- und Handelssektor tätig. Parallel entsenden chinesische Firmen eigene Arbeitskräfte für gemeinsame Infrastruktur- und Energieprojekte.
Am politisch heikelsten ist wegen der UN-Sanktionen die wachsende Zahl nordkoreanischer Arbeiter. Schätzungen zufolge arbeiten inzwischen rund 15.000 Nordkoreaner offiziell in Russland – meist in Bau- und Holzverarbeitungsbetrieben. Trotz UN-Sanktionen wird diese Praxis durch die strategische Partnerschaft zwischen Moskau und Pjöngjang seit 2023 wieder forciert.
Die neuen Gruppen sollen Lücken schließen, die durch Abwanderung zentralasiatischer Arbeitskräfte und den demografischen Druck entstehen.
Damit verschiebt sich das Profil der Migration allmählich von regionaler Nachbarschaft hin zu globaler Anwerbung. Wie stark sich die Arbeitsmigration geographisch diversifiziert, zeigt sich beispielsweise an den Geldüberweisungen nach Usbekistan. 2022 kamen 87% dieser Überweisungen aus Russland, 2023 ging der Anteil auf 78 Prozent zurück. Im ersten Halbjahr 2024 war ein starker Anstieg dieser Geldtransfers nach Usbekistan aus den USA (+34%), Deutschland (+64%), Polen (+93%) und Südkorea (+90%) zu beobachten.
Bau, Logistik, Reinigung: Wo ohne Migranten nichts läuft
Kein Bereich der russischen Wirtschaft ist so abhängig von ausländischen Arbeitskräften wie das Bauwesen. Laut Schätzungen des Ministeriums für Bauwesen und Wohnungswirtschaft stellen Migranten rund 60% der Beschäftigten auf russischen Baustellen – in Moskau und St. Petersburg sind es teilweise über 80%. Die Zahl der ausländischen Beschäftigten im Bausektor wird auf über 1,5 Mio. Personen geschätzt. Ohne sie kämen zahlreiche Großprojekte – vom Straßenbau über neue Wohnkomplexe bis zu Industrieanlagen – schlicht zum Erliegen.
Der Mangel an russischen Arbeitskräften ist strukturell und wird durch den Wehrdienst für den Waffengang in der Ukraine verstärkt. Die Zahl der unbesetzten Stellen im Baugewerbe lag 2025 laut dem Unternehmerverband RSPP bei rund 400.000 – doppelt so hoch wie 2019. Entsprechend steigen die Löhne: Der durchschnittliche Monatslohn eines Bauarbeiters liegt inzwischen bei 70.000 Rubel, etwa 750 Euro, in Moskau teils bei über 100.000 Rubel, umgerechnet 1100 Euro.
Auch in der Logistik und im Dienstleistungssektor sind Migranten unverzichtbar. In Moskau stammt Schätzungen zufolge jeder zweite Fahrer eines Kurier- oder Lieferdienstes aus Zentralasien. Der Aufstieg von Onlinehandel und Lieferservices während und nach der Pandemie hat die Nachfrage weiter gesteigert. Besonders populäre Arbeitgeber wie Yandex Eda (Yandex Essen) oder Delivery Club greifen auf zehntausende Arbeitskräfte mit befristeten Arbeitspatenten zurück. Viele von ihnen arbeiten zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche – ohne Sozialversicherung oder langfristige Verträge.
Ähnlich zentral ist der Beitrag der Migranten zur kommunalen Infrastruktur. Reinigungskräfte, Hausmeister, Müllwerker und Gärtner stammen oftmals aus Usbekistan und Tadschikistan. Ohne diese Arbeitskräfte könnten die Städte ihre Grundversorgung kaum sicherstellen.
Auch wenn einzelne Regionen versuchen, durch Automatisierung und Rekrutierung lokaler Kräfte gegenzusteuern, bleibt klar: In diesen Sektoren ist Migration keine Zusatzressource, sondern ein strukturelles Fundament. Ohne Migranten würde Russlands urbane und industrielle Infrastruktur innerhalb weniger Wochen an ihre Belastungsgrenze geraten.
Der Mangel an russischen Arbeitskräften ist strukturell und wird durch den Wehrdienst für den Waffengang in der Ukraine verstärkt. Die Zahl der unbesetzten Stellen im Baugewerbe lag 2025 laut dem Unternehmerverband RSPP bei rund 400.000 – doppelt so hoch wie 2019. Entsprechend steigen die Löhne: Der durchschnittliche Monatslohn eines Bauarbeiters liegt inzwischen bei 70.000 Rubel, etwa 750 Euro, in Moskau teils bei über 100.000 Rubel, umgerechnet 1100 Euro.
Auch in der Logistik und im Dienstleistungssektor sind Migranten unverzichtbar. In Moskau stammt Schätzungen zufolge jeder zweite Fahrer eines Kurier- oder Lieferdienstes aus Zentralasien. Der Aufstieg von Onlinehandel und Lieferservices während und nach der Pandemie hat die Nachfrage weiter gesteigert. Besonders populäre Arbeitgeber wie Yandex Eda (Yandex Essen) oder Delivery Club greifen auf zehntausende Arbeitskräfte mit befristeten Arbeitspatenten zurück. Viele von ihnen arbeiten zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche – ohne Sozialversicherung oder langfristige Verträge.
Ähnlich zentral ist der Beitrag der Migranten zur kommunalen Infrastruktur. Reinigungskräfte, Hausmeister, Müllwerker und Gärtner stammen oftmals aus Usbekistan und Tadschikistan. Ohne diese Arbeitskräfte könnten die Städte ihre Grundversorgung kaum sicherstellen.
Auch wenn einzelne Regionen versuchen, durch Automatisierung und Rekrutierung lokaler Kräfte gegenzusteuern, bleibt klar: In diesen Sektoren ist Migration keine Zusatzressource, sondern ein strukturelles Fundament. Ohne Migranten würde Russlands urbane und industrielle Infrastruktur innerhalb weniger Wochen an ihre Belastungsgrenze geraten.
Zentrale Register, neue Gebühren, weniger Rechte
Nach dem Terroranschlag in der Moskauer Konzerthalle „Krokus City Hall“ im März 2024, bei dem mehr als 140 Menschen starben, hat Russland seine Migrationspolitik verschärft. Innerhalb weniger Monate verabschiedete die Staatsduma mehrere neue Gesetze, die den Aufenthalt, die Registrierung und die Beschäftigung von Ausländern im Land erheblich erschwerten. Ziel war es, illegale Migration zu bekämpfen und die Kontrolle über die wachsende Zahl ausländischer Arbeitskräfte zu stärken. Das Ergebnis ist ein zunehmend restriktives System, das sowohl auf Abschreckung als auch auf höhere fiskalische Einnahmen setzt.
Zentraler Bestandteil dieser Politik ist seit Februar 2025 das „Register der kontrollierten Personen“, eine landesweite Datenbank, in der Ausländer ohne gültigen Aufenthaltsstatus automatisch erfasst werden. Laut Innenministerium umfasste das Register bereits Anfang März 2025 rund 685.000 Einträge – Personen, die ihre Legalisierung nicht fristgerecht abgeschlossen haben. Wer in diesem Register steht, verliert wesentliche Rechte: Er darf keine Ehe schließen, kein Auto zulassen, keine Kinder in Schulen oder Kindergärten anmelden und keine offiziellen Dokumente verlängern. Die Maßnahme soll den Alltag illegaler Migranten faktisch unmöglich machen und sie zur Ausreise zwingen.
Zentraler Bestandteil dieser Politik ist seit Februar 2025 das „Register der kontrollierten Personen“, eine landesweite Datenbank, in der Ausländer ohne gültigen Aufenthaltsstatus automatisch erfasst werden. Laut Innenministerium umfasste das Register bereits Anfang März 2025 rund 685.000 Einträge – Personen, die ihre Legalisierung nicht fristgerecht abgeschlossen haben. Wer in diesem Register steht, verliert wesentliche Rechte: Er darf keine Ehe schließen, kein Auto zulassen, keine Kinder in Schulen oder Kindergärten anmelden und keine offiziellen Dokumente verlängern. Die Maßnahme soll den Alltag illegaler Migranten faktisch unmöglich machen und sie zur Ausreise zwingen.
Parallel wurden die finanziellen Hürden für legale Migranten deutlich erhöht. Seit dem 1. September 2025 gelten neue Gebühren: Die Registrierung am Wohnort kostet nun 1000 Rubel, rund 11 Euro, statt bisher 420 Rubel, fünf Euro, für die Verlängerung des visumfreien Aufenthalts sind ebenfalls 1000 Rubel fällig. Eine neu eingeführte Aufenthaltsgebühr in Höhe von 500 Rubel betrifft alle, die sich vorübergehend anmelden. Besonders stark stiegen die Kosten für das wichtigste Instrument der legalen Beschäftigung – das sogenannte Arbeits-Patent. Es kostet nun monatlich 4200 Rubel, rund 50 Euro, und muss individuell nach Regionen beantragt werden.
Hinzu kommen branchenspezifische Verbote. Zahlreiche Regionen schränkten in den vergangenen Jahren die Beschäftigung von Ausländern in bestimmten Sektoren ein – von öffentlichem Verkehr über Einzelhandel bis zu kommunalen Dienstleistungen. In mehreren Regionen, darunter der Chabarowsker und der Primorski Krai, gilt ein teilweises Beschäftigungsverbot für Migranten in bis zu 20 Branchen. Auf Bundesebene plant das Arbeitsministerium, ab 2026 die zulässige Ausländerquote in Gastronomie, Bau und Handel deutlich zu senken oder auf Null zu reduzieren.
Hinzu kommen branchenspezifische Verbote. Zahlreiche Regionen schränkten in den vergangenen Jahren die Beschäftigung von Ausländern in bestimmten Sektoren ein – von öffentlichem Verkehr über Einzelhandel bis zu kommunalen Dienstleistungen. In mehreren Regionen, darunter der Chabarowsker und der Primorski Krai, gilt ein teilweises Beschäftigungsverbot für Migranten in bis zu 20 Branchen. Auf Bundesebene plant das Arbeitsministerium, ab 2026 die zulässige Ausländerquote in Gastronomie, Bau und Handel deutlich zu senken oder auf Null zu reduzieren.
Rubel in die Heimat: Milliardenüberweisungen nach Zentralasien
Die Überweisungen von Migranten in ihre Heimatländer – sogenannte Remittances – sind ein zentraler Bestandteil der Volkswirtschaften von Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan. 2024 belief sich das Volumen dieser Geldtransfers laut Zentralbank von Russland auf rund 15 Mrd. Euro, ein Anstieg von knapp 14% gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil dieser Summe floss nach Usbekistan (8,3 Mrd. Euro), gefolgt von Tadschikistan (3,2 Mrd. Euro) und Kirgisistan (1,8 Mrd. Euro).
In Tadschikistan machen Überweisungen aus Russland fast 25% des Bruttoinlandsprodukts, in Kirgisistan rund 23% und in Usbekistan etwa 11% aus.
Technisch läuft der Geldfluss zunehmend digital. Früher dominierten Bargeldüberweisungen über Vermittler, heute wickeln Migranten Zahlungen vor allem über russische Banken, Apps und spezialisierte Fintech-Dienste wie Zolotaya Korona, Unistream oder Contact ab. Trotz westlicher Sanktionen funktionieren diese Kanäle weiterhin, da sie auf inner-eurasische Zahlungsnetzwerke umgestellt wurden. In Taschkent, Duschanbe und Bischkek sind russische Banken wie Sberbank und VTB weiterhin präsent – teils in Kooperation mit lokalen Partnern.
In Tadschikistan machen Überweisungen aus Russland fast 25% des Bruttoinlandsprodukts, in Kirgisistan rund 23% und in Usbekistan etwa 11% aus.
Technisch läuft der Geldfluss zunehmend digital. Früher dominierten Bargeldüberweisungen über Vermittler, heute wickeln Migranten Zahlungen vor allem über russische Banken, Apps und spezialisierte Fintech-Dienste wie Zolotaya Korona, Unistream oder Contact ab. Trotz westlicher Sanktionen funktionieren diese Kanäle weiterhin, da sie auf inner-eurasische Zahlungsnetzwerke umgestellt wurden. In Taschkent, Duschanbe und Bischkek sind russische Banken wie Sberbank und VTB weiterhin präsent – teils in Kooperation mit lokalen Partnern.
Millionen fehlende Arbeiter: Warum Russland Migranten braucht
Der russische Arbeitsmarkt steht 2025 unter strukturellem Druck. Nach Schätzungen des Russischen Unternehmer- und Industriellenverbandes (RSPP) fehlen im Land zwischen 2,4 und 3 Mio. Arbeitskräfte – der höchste Mangel seit Beginn der 2000er Jahre. Die Ursachen sind vielfältig: ein demografischer Einbruch infolge sinkender Geburtenraten, die Mobilisierung zehntausender Männer im Herbst 2022, die Abwanderung von Fachkräften ins Ausland und eine insgesamt alternde Bevölkerung. Allein im Jahr 2024 sank die Zahl der erwerbsfähigen Russen im Alter von 15–64 Jahre um rund 700.000 Personen, während die Zahl der Rentner zunahm.
Besonders betroffen sind Baugewerbe, verarbeitende Industrie, Landwirtschaft, Transport und Dienstleistungen – alles Sektoren, die traditionell stark von Migranten abhängen. In mehreren Branchen liegt die Zahl unbesetzter Stellen inzwischen über 10%. Selbst große Unternehmen wie die Russische Eisenbahnen (RZD), Sberbank oder Gazprom melden Schwierigkeiten, geeignetes Personal für technische und manuelle Tätigkeiten zu finden. Laut Arbeitsministerium fehlen allein im Industriesektor rund 600.000 Arbeiter, in der Landwirtschaft über 400.000.
Besonders betroffen sind Baugewerbe, verarbeitende Industrie, Landwirtschaft, Transport und Dienstleistungen – alles Sektoren, die traditionell stark von Migranten abhängen. In mehreren Branchen liegt die Zahl unbesetzter Stellen inzwischen über 10%. Selbst große Unternehmen wie die Russische Eisenbahnen (RZD), Sberbank oder Gazprom melden Schwierigkeiten, geeignetes Personal für technische und manuelle Tätigkeiten zu finden. Laut Arbeitsministerium fehlen allein im Industriesektor rund 600.000 Arbeiter, in der Landwirtschaft über 400.000.
Die Regierung hat erkannt, dass ohne Zuwanderung keine Stabilisierung möglich ist. Präsident Wladimir Putin sprach im Frühjahr 2025 offen von einer „angespannten demografischen Situation“ und forderte eine gezielte Öffnung des Arbeitsmarkts für Ausländer. Zugleich soll die „Qualität“ der Migration steigen – also mehr Fachkräfte und weniger ungelerntes Personal. Bereits 2024 startete das Arbeitsministerium ein Pilotprojekt, um den sogenannten „Agglomerationsarbeitsmarkt“ einzuführen: Ein einheitliches Arbeitspatent soll künftig den legalen Einsatz von Migranten gleichzeitig in Moskau und der umliegenden Region ermöglichen. Ähnliche Modelle sind für St. Petersburg und das Leningrader Gebiet geplant.
Einerseits betonen Regierung und Unternehmen die Notwendigkeit von Migration, andererseits befördert die Staatsduma durch restriktivere Gesetze die migrationsfeindliche Stimmung im Lande, heißt es in einer europäischen Studie. Laut einer Umfrage des Lewada-Zentrums von Ende 2024 sind 80% der Russen der Meinung, dass es „zu viele Migranten“ im Land gebe.
Einerseits betonen Regierung und Unternehmen die Notwendigkeit von Migration, andererseits befördert die Staatsduma durch restriktivere Gesetze die migrationsfeindliche Stimmung im Lande, heißt es in einer europäischen Studie. Laut einer Umfrage des Lewada-Zentrums von Ende 2024 sind 80% der Russen der Meinung, dass es „zu viele Migranten“ im Land gebe.
Arbeitsmigration 2.0: Von der Schaufel zur Software
Parallel zur Migration von Bauarbeitern und Putzkräften entstehen neue Formen der Bildungsmigration. Russische Universitäten – insbesondere in Kasan, Nowosibirsk und Jekaterinburg – verzeichnen steigende Zahlen zentralasiatischer Studierender. Viele von ihnen bleiben nach dem Abschluss im Land und füllen qualifizierte Positionen in Industrie und IT. Das russische Bildungsministerium meldete 2025 über 160.000 ausländische Studierende aus GUS-Staaten, rund ein Drittel mehr als noch 2019.
Gleichzeitig experimentiert die Regierung mit Anwerbeprogrammen für Fachkräfte außerhalb der GUS. So soll das Programm „Profkadry“ gezielt IT- und Ingenieurpersonal aus Indien, Vietnam und Ägypten nach Russland holen. Der Fokus liegt dabei auf der Modernisierung des verarbeitenden Gewerbes und der Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen. Bis 2030 will Russland den Anteil hochqualifizierter ausländischer Beschäftigter auf 15% aller Migranten erhöhen – derzeit liegt er bei unter 10%.
Quellen: Lenta, RBC 1, 2, 3, Vedomosti, Kommersant(alle RU), Times of India, Sberbank India(EN)
Gleichzeitig experimentiert die Regierung mit Anwerbeprogrammen für Fachkräfte außerhalb der GUS. So soll das Programm „Profkadry“ gezielt IT- und Ingenieurpersonal aus Indien, Vietnam und Ägypten nach Russland holen. Der Fokus liegt dabei auf der Modernisierung des verarbeitenden Gewerbes und der Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen. Bis 2030 will Russland den Anteil hochqualifizierter ausländischer Beschäftigter auf 15% aller Migranten erhöhen – derzeit liegt er bei unter 10%.
Quellen: Lenta, RBC 1, 2, 3, Vedomosti, Kommersant(alle RU), Times of India, Sberbank India(EN)