Fokusanalyse

Russlands Luxusautomarkt trotzt rückläufigem Gesamtmarkt

2025-09-23 08:54
Hintergrund

Der russische Markt für Luxuskarossen ist im Vergleich mit Deutschland klein, wächst jedoch stabil und zeigt sich gegenüber Konjunkturschwankungen weitgehend unempfindlich. Während der Absatz von Massenfahrzeugen in den ersten acht Monaten des Jahres deutlich zurückging, verzeichnet das Luxussegment eine gegenläufige Entwicklung. Nach Angaben der Agentur Autostat wurden im August 2025 landesweit 55 neue Luxusautos verkauft, 10% mehr als im Vorjahresmonat. Rolls-Royce behauptete mit 19 verkauften Fahrzeugen seine Spitzenposition, gefolgt von Bentley mit 18 Einheiten. Außerdem wurden elf Lamborghini, vier Ferrari, zwei Aston Martin und ein Maserati neu zugelassen. In den ersten acht Monaten 2025 summierte sich der Absatz auf 448 Fahrzeuge, ein Zuwachs um 23% gegenüber Januar bis August 2024.

Rolls-Royce vor Lamborghini und Bentley

Das August-Modellranking führte der Rolls-Royce Cullinan SUV mit elf Stück an, dicht gefolgt vom Lamborghini Urus mit zehn und dem Bentley Continental GT mit neun. Ferrari und Aston Martin erreichen kleinere Stückzahlen. Die Italiener von Maserati sind nur sporadisch präsent. Im ersten Halbjahr 2025 wurden 320 Luxusfahrzeuge verkauft, ein Plus von 19% gegenüber 2024. Rolls-Royce kam auf 100 Einheiten (31% Marktanteil), Bentley auf 90 (28%), Lamborghini auf 72, Ferrari auf 43, Aston Martin auf 11 und Maserati auf 4 Stück.

Der Gebrauchtwagenhandel mit den Luxusschlitten entwickelt sich noch dynamischer. Im Mai 2025 wechselten 234 gebrauchte Luxusfahrzeuge den Besitzer, 30% mehr als im Vorjahresmonat. Besonders gefragt sind gebrauchte Bentley, Mercedes-Maybach und Rolls-Royce.

Der deutsche Markt für Luxusautos ist wesentlich größer als der russische. Ferrari erreichte 2024 über 1650 deutsche Neuzulassungen, während es in Russland weniger als 100 waren.

Wann beginnt Luxus? Preisgrenzen, Steuern und Marktdefinitionen

Offiziell gilt ein Pkw in Russland als Luxusfahrzeug, wenn sein Neupreis über 10 Mio. Rubel, rund 103.000 Euro, liegt. Überschreitet ein Auto diese Preisgrenze, muss eine Luxussteuer auf das Fahrzeug gezahlt werden. 2014 bei der Einführung der Luxussteuer, wurden Fahrzeuge ab 3 Mio. Rubel, laut dem aktuellen Umrechnungskurs 31.000 Euro, erfasst. Seit 2022 greift der erhöhte Kraftfahrzeugsteuer-Satz erst ab 10 Mio. Rubel. Das Industrieministerium veröffentlicht jährlich eine Liste entsprechender Modelle, die 2025 rund 555 Varianten umfasst – mehr als dreimal so viele wie bei Einführung im Jahr 2014. Neben klassischen Luxusmarken wie Rolls-Royce, Ferrari oder Bugatti fallen darunter auch hochpreisige Sondermodelle etablierter Hersteller, etwa Range Rover.

Maxim Kadakov, Chefredakteur der Auto-Zeitschrift „Sa ruljom“ (dt.: „Am Steuer"), erklärt, dass Luxus jedoch subjektiv ist: „Für Luxuswagen gibt es keine klar definierten Grenzen. Jeder glaubt zum Beispiel, dass Rolls-Royce Luxus ist. Denn dieser Luxus hat sich über Jahre, Jahrzehnte und bei manchen Autos sogar über ein Jahrhundert entwickelt.“

Auch in Krisenzeiten kaufen die Russen Luxusautos. 2015 stieg der Absatz trotz Wirtschaftskrise auf 545 Fahrzeuge. 2017 erreichte der Markt mit 1440 Verkäufen einen Höhepunkt, 45% entfielen damals auf Mercedes-Maybach. Ab 2022 folgte ein drastischer Einbruch infolge der Sanktionen, da westliche Hersteller ihre Lieferungen stoppten. Dennoch gelangen über Parallelimporte weiterhin Fahrzeuge ins Land, sodass der Absatz mit rund 350 bis 400 Fahrzeugen höher blieb als prognostiziert. 2023 stabilisierte sich der Markt bei rund 450 Fahrzeugen, 2024 wurden 568 Luxuswagen verkauft.

Chinesische Hersteller, die im mittleren Premiummarkt inzwischen führend sind, spielen im Luxussegment bislang keine Rolle. Marken wie Hongqi (dt.: „Rote Flagge“) oder Tank bieten zwar teure Modelle an, gelten in Russland aber nicht als echte Luxusfahrzeuge.

Aurus: Russlands Antwort auf Rolls-Royce & Co.

Die einheimische Luxusmarke Aurus wurde Ende der 2010er-Jahre auf Initiative des Kremls gestartet, um eine nationale Alternative zu Rolls-Royce und Maybach zu schaffen. Das erste Modell, die Limousine Aurus Senat, wurde 2018 als Staatskarosse eingeführt und ist seit 2021 auch für Privatkunden erhältlich.

Entwickelt wurde die Technik vom Forschungsinstitut NAMI in Kooperation mit Porsche Engineering. Seit 2023 ergänzt der SUV Aurus Komendant (im Bild) das Angebot, optisch vergleichbar mit dem Rolls-Royce Cullinan.

Ursprünglich geplante Exportoffensiven nach Europa, China oder in den Nahen Osten mussten aufgrund der geopolitischen Lage gestoppt werden. Stattdessen fokussiert sich Aurus auf den Heimatmarkt, wo die Regierung die Marke aktiv fördert und Behördenflotten zunehmend mit Aurus ausstattet. Symbolisch überreichte Präsident Putin 2024 zwei gepanzerte Aurus-Senat-Limousinen an Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un.

Quellen: Autostat, Kommersant (RU), Carmagazine, RPTA (EN)