Fokusanalyse

Kein Empfang: Smartphone-Markt 2025 mit Riesen-Minus

2025-09-19 10:47
Hintergrund

Der russische Smartphone-Markt befindet sich 2025 in einer deutlichen Abwärtsbewegung. Nach Angaben der Wirtschaftszeitung Vedomosti wurden im ersten Halbjahr 11,2 Mio. Geräte verkauft, ein Rückgang von 43% gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz fiel im gleichen Zeitraum um 41% auf 275 Mrd. Rubel, rund 2,8 Mrd. Euro. Der Durchschnittspreis pro Gerät lag bei 25.100 Rubel, 260 Euro, und damit 2% höher als 2024.

Parallel dazu haben sich die Rahmenbedingungen für die mobile Kommunikation verändert. Seit Anrufe über Telegram und WhatsApp im August 2025 blockiert wurden, greifen Russen deutlich häufiger zum klassischen Handytelefonat. Laut Angaben des Ministeriums für Digitale Dienste ist das Volumen solcher Anrufe um 20–30% gestiegen. Dies führt zu erhöhter Netzbelastung und zeitweisen Verbindungsabbrüchen.

Chinesische Hersteller dominieren

Im ersten Halbjahr entfielen 81% aller verkauften Smartphones auf Anbieter aus China, die damit zugleich 52% des Umsatzes ausmachten. Xiaomi sicherte sich mit einem Marktanteil von 22% die Spitzenposition, gefolgt von Realme mit 14% und Tecno mit 13%. Die Koreaner von Samsung, dessen Marktanteil 2021 noch bei über 20% gelegen hatte, kamen nur noch auf 11%, Apple auf 8%.

Bei den Umsätzen liegt Apple mit 28% weiterhin an erster Stelle. Samsung folgt mit 19%, Xiaomi mit 15%, Tecno mit 7% und Realme mit 6%. Hintergrund ist, dass Apple-Geräte, auch wenn sie seltener gekauft werden, in höheren Preisklassen verkauft werden.

Die weiterhin hohe Nachfrage nach iPhones erklärt sich aus einem Prestigeeffekt. Nach Angaben der Branchenanalysten von SberMobile ist Apple Anfang 2025 die beliebteste Marke unter aktiven Kunden gewesen, vor Xiaomi und Samsung. Besonders jüngere Nutzer zwischen 18 und 35 Jahren greifen überdurchschnittlich häufig zu iPhones, während ältere Käufer eher zu Xiaomi tendieren.

Das neueste Modell, das iPhone 17, ist seit dem 19. September 2025 verfügbar, jedoch nur über Parallelimporte. Russische Händler boten es kurz nach der Präsentation an, die Preise lagen jedoch deutlich über westlichem Niveau. Das Basismodell startete bei rund 110.000 Rubel, 1120 Euro, das iPhone 17 Pro Max wurde in den ersten Tagen teilweise für bis zu 200.000 Rubel, 2050 Euro, gehandelt. Zum Vergleich: Der offizielle Listenpreis in Deutschland liegt bei 1449 Euro für ein iPhone 17 Pro Max mit 256 GB Speicher.

„Wschuch“ statt Apple Pay: Sberbank erfindet das Bezahlen neu

Seit 2022 sind Apple Pay und Google Pay in Russland für die meisten Banken gesperrt. Android-Nutzer konnten rasch auf Alternativen umsteigen, etwa Mir Pay, SberPay oder das QR-basierte System SBPay. Für iPhone-Besitzer war die Situation komplizierter, da Apple den NFC-Chip nur für Apple Pay freigibt.

Die Sberbank hat Ende August 2025 ein eigenes System eingeführt, das diese Lücke schließt. Die Lösung trägt den Namen Wschuch und basiert nicht auf NFC, sondern auf Bluetooth Low Energy. Zahlungen können auch ohne Internetverbindung abgewickelt werden, jedoch nur über die neuesten Zahlungsterminals der Sberbank. Nach Angaben der Bank sind bereits 1,2 Mio. Terminals – das entspricht über der Hälfte aller installierten Geräte – mit der Technik ausgerüstet.

Mit dieser Lösung erhalten iPhone-Nutzer erstmals seit mehr als drei Jahren wieder eine kontaktlose Zahlungsmöglichkeit. Andere russische Banken wollen sich dem neuen Zahlungssystem anschließen.

App-aratschik: RuStore wird Pflicht

Die russische Regierung arbeitet an einem eigenständigen digitalen Ökosystem. Ein zentraler Baustein ist der App-Store „RuStore“, der im Mai 2022 von dem Technologiekonzern VK mit staatlicher Unterstützung gestartet wurde. Bis Anfang 2025 zählte die Plattform nach offiziellen Angaben mehr als 100 Mio. Downloads und listet aktuell über 50.000 Anwendungen.

Besonders stark nachgefragt sind Apps russischer Banken, da diese auf anderen App-Stores aufgrund von Sanktionen gesperrt sind. Im Juni 2025 verabschiedete das russische Parlament eine Verschärfung des Gesetzes, das Herstellern untersagt, die Nutzung russischer App-Stores technisch zu behindern. Damit reagiert der Gesetzgeber insbesondere auf Apple, das bisher durch Systemmeldungen oder Einschränkungen alternative App-Quellen blockierte.

Für Apple stellt dies eine Herausforderung dar, da das iOS-System bislang auf ein geschlossenes Ökosystem setzt. Branchenbeobachter erwarten, dass die technische Umsetzung der Vorgaben noch zu Konflikten führen wird. Für Android-Geräte dagegen ist RuStore faktisch Standard, viele chinesische Hersteller liefern ihre Geräte in Russland bereits mit einem vorinstallierten RuStore aus.

Quellen: Vedomosti, MTS Analytics, CNews (alle RU), Isvestia (EN)