Fokusanalyse

Aussichten Weltwirtschaft Herbst 2025

Analyse

Stimmung deutscher Firmen in Russland im weltweiten Vergleich

Nach Meinung von knapp der Hälfte (47%) der deutschen in Russland tätigen Unternehmen hat sich das Geschäftsklima in Russland seit Jahresbeginn verschlechtert. 17% sehen eine positive Entwicklung, für 37% hat sich nichts geändert. Das geht aus der im Juli abgeschlossenen Geschäftsklima-Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer hervor. Die eigene Lage beurteilen 50% der Firmen als befriedigend und 26% als gut oder sehr gut, während 24% sie als schlecht oder sehr schlecht einstufen.
Das deckt sich mit dem Gesamtbild, wie deutsche Unternehmen an internationalen Standorten die Geschäftslage beurteilen. 40% sehen sie laut der in der vergangenen Woche veröffentlichten Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) World Business Outlook Herbst 2025 positiv, 45% als befriedigend und 15% als schlecht.
In Russland plant nur eine Minderheit von 24% deutscher Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten Investitionen, während 76% keinen neuen Kapitaleinsatz vorsehen. Damit liegt der Anteil der Unternehmen in Russland, die in nächster Zeit Investitionen planen, leicht unter dem Durchschnitt von 29% deutscher Firmen, die an ihren internationalen Standorten auf Investitionen setzen.

Dennoch schätzten 49% deutscher Unternehmen in Russland die Bedeutung des Landes trotz der widrigen Umstände als „unverändert“ ein. 28% gehen sogar von einer zunehmenden oder sogar stark zunehmenden Bedeutung Russlands für ihr Unternehmen aus. 23% hingegen neigen zur Einschätzung, dass die Bedeutung Russlands für ihr Unternehmen rückläufig oder stark rückläufig ist.

Internationale Märkte als Stabilitätsanker

Insgesamt verbessert sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft – aber vor allem außerhalb Deutschlands. Das zeigt die aktuelle DIHK-Umfrage unter deutschen Unternehmen aus mehr als 90 Ländern, die ein präzises Bild der Stimmungen, Einschätzungen und Absichten im Ausland engagierter deutscher Unternehmen ergibt.

Zwar bewerten deutsche Betriebe an internationalen Standorten ihre aktuelle Geschäftslage etwas schwächer als noch im Frühjahr. Doch die Geschäftserwartungen für das Ausland hellen sich deutlich auf.

Zuversicht spiegelt sich bei der Zahl der Angestellten wieder. Ein Drittel der Unternehmen will in den kommenden Monaten Personal einstellen, nur 17% rechnen mit einem Rückgang der Beschäftigung.
Daher schlussfolgert DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier: „Die internationalen Märkte sind für viele Unternehmen ein Stabilitätsanker“. Deutsche Unternehmen zeigten dort, „dass sie im Wettbewerb bestehen können – auch wenn der Standort Deutschland ihnen derzeit nur wenig Rückenwind gibt“.

Wachsende Risiken im internationalen Geschäft

Zugleich zeigt die Befragung, dass die Risiken im internationalen Geschäft wachsen. So nennen 48% der Unternehmen wirtschaftliche Rahmenbedingungen als größtes Geschäftsrisiko. 47% monieren die schwache Auslandsnachfrage. Fast ein Drittel (31%) sorgen sich wegen wachsender Wechselkursrisiken. Ein Viertel (25%) bewegt die Sorge um neue Handelsbarrieren, die dem bewährten globalen Freihandel im Wege stehen „Globale Märkte werden machtpolitisch gestaltet“, analysiert Treier die neuen Gefahren.

Ein großes Problem bleibt in diesem Kontext die US-Handelspolitik mit hohen und sich schnell ändernden Zöllen. Fast die Hälfte der deutschen Unternehmen im Ausland (44%) berichten von negativen oder stark negativen Effekten etwa durch US-Zollpolitik und Exportkontrollen.

Deutsche Unternehmen in Russland leiden derzeit massiv unter dem Einfluss politisch bedingter Störfaktoren. Nach der Geschäftsklima-Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer im ersten Halbjahr 2025 klagen 14% der Unternehmen über Auswirkungen von EU-Sanktionen gegen Russland. 11% haben Probleme mit Banküberweisungen. Weitere 11% sehen sich beeinträchtigt durch Auswirkungen des militärischen Konfliktes seit dem 24. Februar 2022.
Weltweit bezeichnen 13% der deutschen Unternehmen im Ausland die US-Sanktionen als für sie spürbare Belastung. In Greater China (China, Hongkong und Taiwan) geben 23% an, die Sanktionen beträfen sie. Ein besonderes Problem besteht darin, dass durch die extraterritoriale Reichweite der von Washingtoner Finanzministerium exekutierten US-Sanktionen deutsche Betriebe weltweit geschädigt werden können. Zugleich können auch chinesische Unternehmen, darunter mit deutscher Beteiligung, von den US- Behörden direkt ins Visier genommen werden.

Dennoch erwarten 52% der Befragten keine Auswirkungen der US-Handelspolitik auf ihre Geschäfte. In der EU hat der Anteil der Unternehmen, die unter den Folgen der US- Handelspolitik leiden, seit dem Frühjahr abgenommen, von 61% auf 44%. Viele Unternehmen erwarten von der Zollvereinbarung der EU mit den USA mehr Planungssicherheit. Dennoch wird der neue Basiszollsatz von 15% als spürbare Zusatzbelastung empfohlen. Dies führte dazu, dass das deutsche Handelsvolumen mit den USA in den Monaten Januar bis September um etwa 12 Mrd. Euro niedriger ausfällt als im Vorjahreszeitraum. Daher ist China inzwischen wieder zum wichtigsten Handelspartner Deutschlands geworden.

In den USA sehen 55% der deutschen Unternehmen die US-Handelsbarrieren und die Bevorzugung einheimischer Firmen als Belastung. Aus Sicht deutscher Unternehmen in Nordamerika bleibt die US-Handelspolitik weiterhin schwer berechenbar. Als weiterer Risikofaktor kommen Marktzugangsbarrieren hinzu, etwa im Bereich der öffentlichen Beschaffung.

Weltwirtschaft zieht an

Teilweise ausgeglichen werden diese negativen Entwicklungen dadurch, dass die Weltwirtschaft wieder anzieht. Die globale Wirtschaft zeigt sich robuster als zuvor in pessimistischen Prognosen angenommen worden war. So rechnet rund ein Viertel der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate mit einer besseren Konjunktur an ihren Standorten. Der Anteil derer, die eine schwächere Wirtschaftsentwicklung erwarten, ist von 33% auf 24% zurückgegangen. Die Erwartungen von Unternehmen an die nächste Zukunft haben sich auch deshalb verbessert, weil es Verhandlungen um zuverlässige wirtschaftliche Partnerschaften gibt, mit denen versucht werden sollte, die Folgen der US-Handelspolitik aufzufangen. Zudem hat sich nach anfänglicher Verunsicherung gegenüber der Trumpschen Zollpolitik eine Ernüchterung eingestellt. Betriebe passen sich den neuen Realitäten an, was die Neigung zum Pessimismus zurückdrängt.

In verschiedenen Weltgegenden sind die Erwartungen an den Aufschwung unterschiedlich. In Afrika, Nah- und Mittelost sind deutsche Auslandsunternehmen insgesamt optimistisch, was die Konjunktur angeht. Dort erwarten 50% der Unternehmen eine Verbesserung, nur 9% befürchten schlechtere Zeiten. Für Zuversicht sorgt der Aufbau der afrikanischen Freihandelszone AfCFTA. Besonders hoffnungsvoll sind Unternehmen in der MENA-Region des Mittleren und Nahen Ostens. Dort rechnen 52% mit einer verbesserten Konjunktur, nur 7%mit einer Verschlechterung.

In der Asien Pazifik Region (ohne Greater China) haben sich die Konjunkturerwartungen im Vergleich zum Frühjahr deutlich verbessert. Knapp ein Drittel der Unternehmen sind dort zuversichtlich, nur 15% neigen zu pessimistischen Einschätzungen. In der Eurozone hingegen haben sich die Erwartungen an die Konjunktur seit dem Frühjahr nur leicht verbessert. Dort erwarten 17% einen Aufschwung, 30% befürchten eine Verschlechterung.

Pessimistisch sind hingegen die Einschätzungen der Unternehmen in Greater China, das China, Hongkong, Macao und Taiwan umfasst. Nur 10% der Firmen gehen von einer verbesserten konjunkturellen Lage aus, während 32% eine Eintrübung erwarten. Die Verschlechterung betrifft vor allem China selbst. Dort verlangsamt sich durch die anhaltende Immobilienkrise und die schwache Binnennachfrage derzeit das Wirtschaftswachstum. Während China im Außenhandel Marktanteile gewinnt, zieht die Inlandskonjunktur nicht im gleichen Maße an. Hinzu kommt der Handelskonflikt mit den USA, der für Verunsicherung sorgt. In Hongkong hingegen haben sich die wirtschaftlichen Aussichten verglichen mit dem Frühjahr sogar verbessert.

Geschäftserwartungen optimistisch

Weltweit haben sich die Geschäftserwartungen deutscher Unternehmen deutlich verbessert. Derzeit rechnen 44% der im Ausland tätigen Unternehmen mit besseren Geschäften und 46% erwarten stabile Umsätze. Nur noch 10% befürchten für die nächste Zeit eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Dennoch bleibt diese Verbesserung zurück hinter der erwarteten konjunkturellen Belebung. Offenkundig, so die DIHK-Analyse, gelinge es den deutschen Unternehmen nur bedingt, am Aufschwung der Weltwirtschaft zu partizipieren.
In den USA erwarten 37% der Betriebe bessere Erträge, während nur 13% davon ausgegeben, dass sich die Lage verschlechtert. Pessimistischer sind die Unternehmen mit Blick auf Greater China. Dort erwartet knapp ein Viertel der Firmen bessere Geschäfte, während sich 14% auf eine Verschlechterung einstellen. Diese Grunderwartung wird von der Lage in China geprägt. Der durch die US-Zollpolitik gestiegene Wettbewerbsdruck und die schwache Binnennachfrage gelten hier als die wesentlichen negativen Faktoren.

In der Eurozone sind die Unternehmen mit Blick für die Geschäftserwartungen optimistischer als noch im Frühjahr. So rechnen 38% im kommenden Jahr mit mehr Umsatz, nur 13% mit weniger Geschäften.

Investitionspläne mit Beschäftigungschancen

An ausländischen Standorten zeigen sich deutsche Unternehmen wieder investitionsfreudiger. 29% wollen in den kommenden zwölf Monaten ihren Kapitaleinsatz wieder steigern. Nur 16% planen mit geringeren Investitionen. Mehr als die Hälfte der Betriebe behält das jetzige Investitionsniveau bei. Der Kapitaleinsatz deutscher Unternehmen im Ausland nimmt damit wieder zu, das Niveau des Vorjahres könnte wieder erreicht werden.
In Russland planen 18% der deutschen Firmen zusätzliche Einstellungen, 59% haben keine solchen Pläne, während 11% einen Stellenabbau bis zu 10% erwägen. Aber kein Betrieb plant einen vollständigen Abbau. Dies ist bemerkenswert angesichts dessen, dass 58% der Unternehmen einschätzen, sie seien stark oder sogar sehr stark von westlichen Sanktionen betroffen. 39% sehen sich nur wenig tangiert von Sanktionsmaßnahmen.
Verhalten bleiben die Investitionsabsichten deutscher Unternehmen auch in den USA. Gegenüber dem Frühjahr, als Präsident Donald Trump am sogenannten Befreiungstag („Liberation Day“) drastische Zölle für fast alle Länder ankündigte, zeigt sich jedoch eine gewisse Erholung. Trotz der Einigung der EU und der USA über Zolltarife mit hohen, aber vagen Versprechen zu Investitionen in den USA bliebt die reale Investitionsbereitschaft der Unternehmen hinter den Erwartungen deutlich zurück. In Subsahara-Afrika ist die Investitionsbereitschaft leicht rückläufig. 37% der dort tätigen Unternehmen planen, ihre Investitionen auszuweiten, 17% wollen sie verringern.

In Greater China hingegen hat sich die Bereitschaft deutscher Betriebe zu Investitionen verglichen mit dem Frühjahr deutlich verbessert. Trotz der aktuell getrübten Stimmung planen Unternehmen in China wieder mit mehr Investitionen. Dies geschieht vor allem aus strategischen Gründen. Deutsche Investoren wollen den Anschluss in führenden Branchen nicht verlieren und ihre Position auf dem chinesischen Markt mittelfristig festigen oder ausbauen. Ihnen geht es darum, die beträchtliche Innovationskraft Chinas zu nutzen, um sich global zu positionieren.

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier mahnt die Politik, „die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken: durch verlässliche Energiepreise, schnellere Verfahren, steuerliche Entlastungen und neue Handelsabkommen“, da jetzt die „Spielregeln des Welthandels neu geschrieben“ würden.

Von der Deutschen Industrie- und Handelskammer befragt wurden im Zeitraum zwischen 29. September und 17. Oktober 3500 Unternehmen, Niederlassungen und Tochtergesellschaften und Firmen mit engem Bezug zu Deutschland. 41% der Betriebe sind in Industrie und Baugewerbe tätig, 40% im Dienstleistungssektor und 19% im Handel. Rund die Hälfte der Teilnehmer sind Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern. Rund ein Viertel der Befragten beschäftigen jeweils mehr oder weniger als 1000 Mitarbeiter. 50% sind Tochterunternehmen deutscher Firmen.

An der Mitte Juli veröffentlichten Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer haben sich von 750 Mitgliedern der Kammer 255 Firmen beteiligt. 19% der Umfrageteilnehmer sind im Dienstleistungssektor tätig, 12% im Handel, 11% im Maschinen- und Anlagenbau und 9% in der Bauwirtschaft. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (64%) sind Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern. 24% der Befragten beschäftigen bis zu 1000 Mitarbeiter, 12% – mehr als 1000.